Es gibt Dinge, die mich schon als Modell total getriggert haben. Ganz vorn an der Spitzer, ist die immerwährende Diskussion, wie man mit dicken Modellen/Plus Size Modellen/Curvy Models usw. umzugehen habe. Als ich noch selbst vor der Kamera stand, wurde mir unter meinen Bildern regelmäßig mitgeteilt, dass ich ja TROTZDEM schön sei, der Fotograf aber einen ganz besonders guten Job gemacht habe, MICH zu fotografieren, das man auch SOLCHE Modelle wie mich gut fotografieren könne, wenn man denn wisse wie. Für mich sind all diese Aussagen nur eines: Absoluter Schwachsinn. Sie zeigen nur die eingeschränkte Sicht auf Ästhetik, die der Fotograf hat und haben mit dem Modell nichts zu tun. Wenn der eigentlich lieber ein dünnes Mädel vor der Kamera hätte, dann wird er mit einem Curve Modell nicht glücklich, egal, wie sehr er versucht, ihren Körper zu kaschieren und massentauglich zu machen. Wie oft ist es mir als Modell passiert, dass ich als Quotendicke angefragt wurde, man wolle auch mal ein Plus Size Model versuchen/ausprobieren/schön fotografieren. Ich konnte immer wunderbar damit leben, wenn ich irgendwem nicht gepasst habe. Womit ich nicht leben konnte, war, dass man mir einreden wollte, dass ich als Plus Size weniger wert oder weniger schön wäre, dass das ein Handicap wäre, dass es zu korrigieren und auszugleichen gilt. Als Jenni zum Shooting kam, hatte ich keine Ahnung, dass sie Curvy ist, weil man es auf ihren Bildern nicht sieht und wir uns eigentlich eher getroffen haben, weil wir beide fotografieren und auf Instagram seit längerem immer mal wieder ins Gespräch kommen. Ehrlich gesagt habe ich mir darüber auch gar keine Gedanken gemacht. Mir sind die Körper meiner Modelle insofern egal, als dass ich eben fotografiere, wen ich mag und nicht nach Konfektionsgröße entscheide. Als ich sie sah, fand ich sie einfach schön. Ich fand sie nicht TROTZDEM schön, ich fand sie schön. Ich mochte ihre Lippen, ihre Augen, ihre Haare, ihre Ausstrahlung, ich mochte einfach sie, Jenni. Ich habe beim Shooting auch nicht drüber nachgedacht, wie ich ihren Körper kaschieren könnte, wie ich sie vorteilhaft fotografieren könnte oder wie ich verstecken könnte, dass sie eben keine Polly Pocket ist. Nein, ich habe mit ihr genau so gearbeitet wie mit jedem anderen Modell auch. Es gibt auch Modelle, die nicht meinem Typen entsprechen (Tattoo- oder Alternative Modelle oder die typische Instagramschönheit), das ist nichts persönliches. Aber ich würde eben diese Modelle nicht für die Reichweite oder als persönliche Herausforderung trotzdem fotografieren. Damit tritt man manchen auf die Füße, meistens jenen, die ein Curvy Mädel TROTZDEM anfragen würden. Für mich ist aber ein schwerer Körper weder Handicap noch Makel, er ist einfach nur ein Körper. Ohne Trotzdem.