Clemens war mein Alternativmodell für das Schneckenshooting. Ich fand ihn schon lange toll, war mir aber unsicher, ob er sich in meinen Bildern sehen kann. Irgendwann fragte ich ihn aber doch an und wir hatten sofort eine gute Verbindung miteinander. Als er dann zum Shooting kam, stellte sich heraus, dass er deutlich jünger war als ich dachte. Ich hatte ihn auf mitte 20 geschätzt, da die Bilder in seinem Feed auf eine sehr ausgereifte, künstlerisch-gefestigte Persönlichkeit schließen lassen. Er hat ein unfassbar gutes Gespür für seine Fotografen. Dass er noch keine 20 ist hat mich dann irritiert und gewissermaßen vor ein Problem gestellt, denn ich fotografiere grundsätzlich so junge Männer nicht nackt. Nicht, weil ich es generell ablehne, sondern weil ich eine innere Blockade habe. Ich kann es einfach nicht. Da mich Clemens aber auf so vielen Ebenen künstlerisch inspiriert, das Schneckenshooting eh ein Portraitshooting gewesen wäre, wechselten wir einfach auf ein Aktportraitshooting, was sich für mich natürlich wie selbstverständlich anfühlte. Wenn ich ungewöhnliche Typen wie Clemens fotografiere, habe ich bei der Veröffentlichung immer etwas Angst vor Hasskommentaren oder Bodyshaming. Leider ist mir das auch tatsächlich schon passiert und ich ärgere mich immer wieder darüber, wie selbstverständlich fremde Menschen über die Körper anderer Menschen richten. Ich verzichte dann auch bewusst auf gewisse Hashtags, selbst wenn die Reichweite damit deutlich höher wäre. Menschen wie Clemens sind für mich wunderbare, bereichernde, manchmal wegweisende Modelle und ich weiß selbst, dass ich sie kaum vor Angriffen anderer schützen kann.