Bildkommentare oder Kritik von außen sind für mich immer etwas seltsam. Nicht, weil ich sie nicht annehmen kann, denn gerade handwerkliche Kritik interessiert mich immer am meisten. Aber das, was Menschen in meinen Bildern sehen, hat meistens wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was ich sehe. Manchmal ist es interessant und beim weiteren Nachdenken kann ich oft verstehen, was den Kritiker bewogen hat. Dann gibt es positive Kritik, die mich persönlich immer stört, einfach inhaltlich stört, weil ich mich dann total unverstanden fühle. Ein Beispiel ist, wenn jemand anmerkt, meine Männerakte seien so schön männlich oder das sei sexy oder dergleichen. Das sind genau die Momente, wenn ich mich extrem unverstanden mit meinen Bildern fühle. Gerade männliche Aktfotografen aus dem erotischen Bereich, die Frauen fotografieren bemerken gern mit einem Augenzwinkern, wie logisch es sei, dass ich als Frau nackte Männer fotografiere, da sie ja schließlich als Männer nackte Frauen fotografieren. Dabei wird dann eigentlich immer vergessen, dass ihre Fotografie bewusst und gewollt erotisch, manchmal pornografisch, aber eigentlich immer gewollt sexy ist, was das komplette Gegenteil von dem ist, was ich beabsichtige. Ich weiß dann nie, was ich dazu sagen soll, weil ich merke, dass wir nicht auf einer Ebene diskutieren, dass es uns um komplett verschiedene Dinge geht. Mir geht es nicht um Erotik, darum klassische Männer-Frauen-Klischees zu bedienen, darum gesellschaftliche Schönheitsideale zu befriedigen und zu allerletzt geht es mir niemals um Pornografie. Die Wahrheit ist, dass ein Hauptgrund, warum ich Männer und keine Frauen für meine Akte wähle ist nicht, weil ich als hetero Frau gerne nackte Männer angucken würde. Nein, mein Hauptgrund ist, dass ich nackte Körper schön finde, gestalterisch schön finde, aber das Frauen gesellschaftlich so extrem sexualisiert werden, dass es für mich im Grunde unmöglich ist, mit ihnen Akte zu fotografieren, bei denen es dem Betrachter nicht darum geht, ob die Frau am Ende zu dick, zu dünn, zu muskulös, zu weiblich, zu männlich, zu kleine Brüste hat oder was auch immer. Die Bewertung von Frauenkörpern ist so normal wie das tägliche Zähneputzen. Jeder maßt sich an, beurteilen zu wollen, wie eine Frau auszusehen hat und das ist doch bitte NICHT männlich, NICHT fett. Sie SOLL Kurven haben, aber bitte nur dort und da. “Eine Frau MUSS wie eine Frau aussehen”. Was auch immer das bedeuten soll. Und wie auch immer der Sprecher auf die Idee kommt, er habe irgendein Recht dazu, hier eine Bewertung abzugeben. Die Tatsache, dass meine Modelle keine Brüste haben, macht mich so unendlich freier, weil Männer deutlich weniger auf ihre Körper reduziert werden. Ich kann mit ihnen viel freier meine gedanklichen Motive umsetzen. So gesehen beuge ich mich hier einem gewissen gesellschaftlichen Druck. Aber es ist interessant, wie oft das vollkommen missverstanden wird – meistens von Männern. Mittlerweile hole ich mir gern Kritik von meinem Freund, weil er versteht, wo ich mit meinen Bildern und meiner Bildsprache hinwill und auch entsprechend kritisiert. Und gerade weil er mich versteht, meine Fotografie versteht, hat er so gar kein Problem damit. Es ist bei uns kein Thema, nicht mehr als wenn ich mit meiner Mutter donnerstags zum schwimmen gehe, denn er sexualisiert meine Bilder nicht. Wie sich fotografiertwerden anfühlt, wollte er dann neulich aber doch mal wissen. “So richtig unerotisch”, befand er die Zusammenarbeit mit mir und ich habe mich gefreut 🙂