“Ich weiß nicht, was ich mit den Frauen machen soll, mich langweilen meine eigenen Bilder zutiefst”, meinte ich vor einigen Monaten, während mich mein Freund im Arm hielt und wir auf den heiligen See blickten. “Ja, ich weiß, was du meinst”, meinte er und es war weder böse noch abwertend gemeint, er verstand mich einfach und sah, was ich sah. Ich habe dann monatelang keine Frauen mehr fotografiert, weil ich nicht wusste, wie und wozu überhaupt. Mich langweilen meine Bilder, wenn sie einfach nur hübsch sind oder wenn ich merke, dass ich gerade eher massentauglich als danielletauglich fotografiere. Meistens hilft es, diese Phase auszusitzen. Diesmal nicht, denn es wurde gar nicht besser. Ich bekam Anfragen, lehnte ab, vertröstete. Vor einer Woche wurde mir dann klar, dass meine sonstige Strategie hier nicht funktioniert. Nichtstun half nicht. So schrieb ich für Juni aus und es bewarb sich unter anderem ein sehr unerfahrenes Mädchen. Sie schlug als Termin direkt den nächsten Abend vor. Ich habe einfach Ja gesagt. Einfach so. Erst danach wurde mir klar, dass mir das eigentlich gar nicht passt, weil ich gar nicht weiß, was ich mit ihr machen soll und mir jemand Erfahrenes viel angenehmer gewesen wäre. Es fing dann auch sehr schleppend an, ich war unzufrieden, inspirationslos, kam ins Shooting nicht rein. Ich hatte mich sogar richtig schlecht gefühlt, weil ich sicher war, dass ich nix halbwegs brauchbares zustande bekommen hatte. Da ich Nachbearbeitung nicht ausstehen kann, ließ ich die Bilder erstmal liegen. Wenn ich jemanden bezahlen könnte dafür, dass der fühlt, was ich fühle und sieht, was ich sehe, würde ich die Bildbearbeitung direkt abgeben. Aber das würde wohl nicht funktionieren, weil meine Bildlooks sicher 50% meiner Bildsprache ausmachen. Ich habe keine Presets oder Filter, ich wiederhole meine Bildlooks nicht, weil ich jedes Set von grundauf neu mache, ganz oldschool im Rawconverter, nicht in Lightroom. Jedes Bild fange ich bei null an. Und so saß ich dann gestern vor den Bildern und fing nach und nach an, die Regler hin und herzuschieben. In kompletter Stille und nur mit dem schwarzen Kater neben mir, guckte ich, wie ich mich mit dem Bild so fühle. Und was so zäh anfing, war dann flüssig. Bildlook: 2 Minuten. Feinschliff: 2 Minuten. Ich kann noch immer nicht sagen, dass ich da nun einen Durchbruch gefühlt hätte, was meine Frauenfotografie betrifft. Dass ich meinen Ansprüchen gerecht werden würde. Aber wahrscheinlich geht das gerade auch einfach nicht. Aber es tröstet mich, dass ich doch nicht so abhängig von meiner Gefühlslage bin, was meine Fotografie betrifft, sondern ich mich durchaus dazu zwingen kann, ohne, dass es ein Totalausfall wird. Auch eine Erkenntnis 🙂