“Aber wie das Erhabene von Dämmerung und Nacht, wo sich die Gestalten vereinigen, gar leicht erzeugt wird, so wird es dagegen vom Tage verscheucht, der alles sondert und trennt, und so muss es auch durch jede wachsende Bildung vernichtet werden, wenn es nicht glücklich genug ist, sich zu dem Schönen zu flüchten und sich innig mit ihm zu vereinigen, wodurch denn beide gleich unsterblich und unverwüstlich sind.” – Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit II,6

Tag und Nacht sind nicht nur als astronomisches Prinzip der Beleuchtung oder Nichtbeleuchtung der Erde zu betrachten. Die Menschheit hat das Prinzip auch übertragen auf Psychologie, Motive in Dichtung, Kunst und sogar Musik, auf kulturelles Erleben und geistige bzw. emotionale Zuordnungen (wie düster – hell und klar).

Die Nacht wird in der Romantik zum irrationalen Zustand, kann aber auch – als transzendierende Reflexion – gleichzeitig die Geheimnisse des wahren Seins erschließen. Mythen evozieren in der Nacht Geister, Teufel und Gespenster, nicht nur Dracula ist ein beispielhafter Protagonist der imaginierten Hexen, Dämonen und furchteinflößenden Gestalten, die diese Märchen und Sagen bevölkern. Damit beschränkt sich Dunkelheit nicht nur auf biologische Vorgänge (Nachtruhe, Einschränkung des Sehens auf Schwarz-Weiß) sondern im übertragenen Sinne auch auf seelische Zustände und psychologische Erlebnisdimensionen (z.B. Angst).

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